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Qualitätszeit in Beziehungen {Teil 1}: Beziehungspflege leicht gemacht durch Dates mit Intention. Eine Einführung.

  • Autorenbild: Anna Baubin
    Anna Baubin
  • 23. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Im Laufe der Zeit ist es oft so, dass in Beziehungen Bedürfnisse von einer oder beider Beziehungspersonen weniger oder zu wenig erfüllt werden und es zu Gefühlen des Mangels und zu Unzufriedenheit kommt.


Vor allem im Vergleich zu den Anfängen zeigen sich Veränderungen.


Zu Beginn setzen Euphorie, Begeisterung und ein wilder Hormoncocktail reichlich Energie frei und die Qualitätszeit in Beziehungen ist reichlich.


Nächtelange, tiefe Gespräche sind selbstverständlich, letzte Lücken in übervollen Terminkalendern sind für gemeinsames Spiel reserviert, und was bezüglich der Planung noch nicht ganz sitzt, wird verständnisvoll und ausdauernd passend gemacht.


Diese anfängliche, mühelose Bezogenheit aufeinander verschwimmt langsam im wieder einkehrenden Alltag, und das, was so einfach funktionierte, braucht nun Intention und Absprache.


Im besten Falle wird das ohne Schuldzuweisungen angesprochen und dann gemeinsam erkundet, wie wieder mehr Fokus auf diesen Aspekt der Beziehung gelegt werden kann.


Sollten diese Versuche der Klärung jedoch ins Leere laufen oder sogar von einer Beziehungsperson abgewiesen werden, dann sendet ihr diesen Artikel und verlegt die Gespräche darüber in ein Beratungs-Setting, um Verletzungen, Rückzug und Frustration zu vermeiden.


Dating-Reihe eine praktische Grundlage für mehr Qualitätszeit in Beziehungen


Play-, Share- und Plan-Dates sind bewusst gestaltete Räume, in denen verschiedene Beziehungs-Bedürfnisse Platz bekommen.

Und das stärkt die Verbundenheit und Zufriedenheit.


Dieser Beitrag gibt das Fundament und den theoretisch-praktischen Rahmen für die Date-Reihe. Auf dieser Basis kannst Du Deine Beziehungen ausloten, Deine Reaktionen erforschen und wieder mehr Sicherheit, Intimität und Verbundenheit in das Dazwischen bringen.


In diesem Sinne: Viel Spass beim Lesen und Forschen.


Weniger Komplexe, mehr Realität.


Wenn ich mich so zurückerinnere, dann ist die theoretische Grundlage das Buch von Michael Mary "Lebt die Liebe, die ihr habt. - Wie Beziehungen halten".


Darin beschreibt er unter anderem ausführlich, weshalb die romantische Idealvorstellung «Alles Mit Einer [Person] Für Immer» (AMEFI) nicht nur in der Menschheitsgeschichte sehr neu, sondern bei genauer Betrachtung auch nur wenig erfolgversprechend ist.


Allein schon für die einleuchtende Ausleuchtung dieses AMEFI-Komplexes lohnt sich der Griff zu diesem Buch, denn Bücher, die eine normierte Vorstellung von (romantischen) Beziehungen aufbrechen, sind bei mir immer herzlich willkommen.


Er plädiert dafür, jede Beziehung nüchtern zu betrachten und ihrer natürlichen Fügung zu folgen, anstatt an dieser überstilisierten Vorstellung anzuhaften, unsere Beziehungen in dieses eine Förmchen zu pressen und dann zu verzweifeln, wenn wir daran «scheitern».


3 Arten der Liebe - Verschiedene Beziehungen haben verschiedene Ansprüche und Bedürfnisse.


Michael Mary teilt Beziehungen in 3 "Arten der Liebe"; ich fasse sie hier in meinen Worten mal zusammen.

Freund:innenschaft: der Wunsch nach der Weiterentwicklung und am Wohlergehen der anderen Person. Tatsächliches Interesse an der Persönlichkeit des Gegenübers und Freude am Austausch.


Partner:innenschaft: Verlässlichkeit und Berechenbarkeit in gemeinsamen Projekten. Dazu gehören die Organisation rund um Kinder, Haushalt, Urlaub, Finanzen, Atelierplätze, Raves etc. pp.


Leidenschaft: körperliche Anziehung, Sexualität und Lust auf gemeinsames Spiel. Dieser Aspekt beinhaltet auch andere gemeinsame Leidenschaften abseits der Erotik und Sexualität.



Qualitätszeit in Beziehungen - 3 Arten der Beziehungen


Die (unromantische) Verortung der jeweiligen Beziehung


Die Gesellschaft idealisiert (zum Teil mit erschreckendem Erfolg) eine bestimmte Form der (romantischen) Liebesbeziehung, die alle drei Aspekte gleichermassen verbindet.


Dass wir gleichzeitig verlässliche Partner:innen, unterstützende Freund:innen und leidenschaftliche Liebhaber:innen füreinander sind.


Eine solche Beziehung würde dann dort verordnet werden:


Qualitätszeit in Beziehungen - 3 Arten der Beziehungen Mitte

Und da nota bene für immer und ewig bleiben. Über Jahrzehnte hinweg. Einfach so.

Sonst stimmt was nicht. 🤡


Gerne verweise ich hier zusätzlich auf Esther Perel, die immer wieder unterhaltsam und ausdrücklich beschreibt, dass diese 3 Arten der Lieben jedoch verschiedene Bedingungen haben, weshalb es kaum möglich ist, alle gleichermassen "unter einen Hut" zu bringen.


Denn:

  • Als Freund:in möchte ich, dass meine Beziehungsperson glücklich ist und sich weiterentwickelt und ein freies Leben lebt.

  • Als Partner:in möchte ich, dass meine Beziehungsperson verlässlich und erwachsen, ja langfristig berechenbar ist.

  • Als Liebhaber:in möchte ich, dass meine Beziehungsperson unbekannt und aufregend, spielerisch und ausgelassen ist.


Es geht hier nicht nur um romantische Liebesbeziehungen, sondern in diesem Dreieck finden alle Beziehungen zwischen erwachsenen Personen ihren Platz.


Sie sehen in der Realität viel mehr so aus:


Qualitätszeit in Beziehungen - 3 Arten der Beziehungen Verschiedene Beziehungen

Pro Tipp: Wenn Du jetzt beginnst, Deine eigenen Beziehungen hier zu verorten, dann bemerke, wo Du aufgrund Deiner eigenen (unbewussten) Wunschvorstellungen etwas mehr nach rechts, links, oben oder unten drückst, schiebst und presst, obwohl Du eigentlich weisst, dass es nicht so ist.


Die Erwartungs-Last an Beziehungspersonen


In der gesellschaftlich eingeredeten Wunschvorstellung ist es ja dann auch noch so, dass die Beziehungspersonen jederzeit von der einen Art zur anderen wechseln können müssen:


  • Wenn ich planen möchte, dann soll die Person dafür zur Verfügung stehen (sonst fühle ich mich im Stich gelassen).

  • Wenn ich mich mitteilen möchte, dann erwarte ich ein offenes Ohr und Raum dafür (sonst fühle ich mich nicht wahrgenommen).

  • Wenn ich spielen will, dann hat das die andere Person auch zu wollen (sonst fühle ich mich zurückgewiesen).


Dass das zu Missverständnissen, Gefühlen der Zurückweisung oder anderen Irritationen führen kann, ist nicht verwunderlich.


Das Unausgesprochene und Unbewusste macht zunehmend unzufrieden, und irgendwann fragen sich die Beteiligten, wie es denn so weit kommen konnte ...


Obwohl Michael Mary schreibt, dass Beziehungen nach der Auslotung nicht in irgendeine Richtung «hingedoktert» werden sollen, habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass sich bewusste Zeit für diese verschiedenen Beziehungsaspekte auch positiv auf das Erleben dieser Faktoren auswirken kann.


Wenn uns emotionale Verbundenheit und Tiefe fehlen, dann treffen wir uns zu einem Share-Date.

Wenn wir uns mehr gemeinsame physische Intimität, Leidenschaft oder Spiel wünschen, wäre ein Play-Date eine Idee.

Wenn wir uns unsicher oder alleine in der Planung fühlen, dann machen wir ein Plan-Date aus.


Es könnte so einfach sein


Die unterschiedlichen Arten dieser Dates werde ich in 3 weiteren Beiträgen genauer beleuchten.


Bis diese fertig sind, kannst Du schon einmal Deine wichtigsten Beziehungen in dem Beziehungs-Dreieck verorten und Deine Reaktion darauf erforschen.


Vielleicht merkst Du, wie sie sich im Laufe der Zeit ganz natürlich verändert haben.

Vielleicht klopft ein Bedürfnis an die Tür, das gesehen und gelebt werden will.


Wichtig dabei ist, Dir selbst und Deinen Beziehungspersonen mit Mitgefühl und Neugierde zu begegnen, denn das schafft Verbindung und Raum für neue Erkenntnisse.


Von Herzen  

Anna Baubin Psychologische Beraterin für Beziehungen aller Art in Zürich


P.s. Sollte Dir hier mal ein ähnliches Dreieck von einem gewissen Mister Sternberg aus dem Jahr 1984 unterkommen, dann denk an mich und meine ausdrückliche Kritik an seinen Definitionen der "vollkommenen", "leeren" und "närrischen" Liebe. What a BS.



Praxis der inklusiven, systemischen Beziehungsberatung für Einzelpersonen und Paare*


Anna Baubin | Psychologische Beraterin in Zürich




*Paar, Substantiv, (n)- zwei durch eine (wie auch immer geartete) Beziehung miteinander verbundene Menschen.



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