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Beziehungspflege leicht gemacht {Teil 3}: Qualitätszeit für mehr Verständnis und Vertrauen in Beziehungen - Das SHAREdate

  • vor 3 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Weiter geht es mit der Date Reihe.


Die Sharedates sind dafür konzipiert, sich einander mitzuteilen.


Es geht darum, die freund:innenschaftliche Komponente von Beziehungen zu fördern und eine tiefe Verbindung, ein Verständnis füreinander und Vertrauen zueinander zu etablieren.


Die grundlegende Theorie, auf der die Date-Reihe beruht, findest Du in diesem Beitrag. Er erklärt das Spannungsfeld vieler Beziehungen (vor allem romantischer Liebesbeziehungen) zwischen Freund:innenschaft, Partner:innenschaft und Leidenschaft.


Den Artikel zum Playdate (Förderung der Bedürfnisse nach Leidenschaft) findest Du hier. Ein Beitrag zum Plandate (Förderung der Bedürfnisse rund um Partner:innenschaft) folgt.


P.s. wenn Du einen Widerstand gegen das Wort "Date" hast oder meinst, es passt nicht zu der Beziehung, bei der Gesprächsbedarf vorhanden ist, dann nenne es einfach anders. You do you.

Die Grundlage der Freund:innenschaft


Der Duden beschreibt Freund:innenschaft als "auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander".


Sie beinhaltet den Wunsch nach Wohlergehen der anderen Person, was das bedingungslose Interesse an der freien Entfaltung des Gegenübers beinhaltet. Sie zeichnen sich durch Sympathie und Vertrauen aus.


Sympathie können wir nicht beeinflussen. Sie ist da, oder nicht.


Das Vertrauen allerdings können wir ganz aktiv und bewusst stärken. Und dafür sind die Sharedates ein wunderbares Werkzeug.


Denn, uns einander anzuvertrauen, ehrlich zu sein, uns zu öffnen, unser Inneres Preis zu geben, uns darin angenommen zu fühlen, im besten Falle verstanden und akzeptiert zu sein, anstatt verurteilt zu werden, das macht echte Freund:innenschaft aus.


Das heisst nicht, dass man in allem einer Meinung sein muss, dass es keine Differenzen und Unterschiede gibt.


Was es meint ist, dass ich mich wirklich für die andere Person interessiere. Nicht nur für das, was ich aus der Beziehung für mich herausholen kann.


Die Grundlagen des Sharedates


Einerseits beruht die Date-Reihe auf den "3 Arten der Liebe" von Michael Mary aus seinem Buch: "Lebt die Liebe, die ihr habt. Wie Beziehungen halten.". Wenn Du es noch nicht getan hast, schau Dir hierfür diesen einführenden Beitrag an.


Zusätzlich war das RADAR Gespräch von Multiamory grosse Inspirationsquelle für das Sharedate.

An dieser Stelle ein Dankeschön an meine liebe Freundin Talaya, die mir vor einigen Jahren davon erzählt hat.


Ich habe die Vorlage von Multiamory genommen und sie mir für meine Beziehungen so verändert, dass es für mich passt. Selbstverständlich in Absprache und Zustimmung der jeweiligen Beziehungspersonen.


Ich empfehle Dir sehr, Dir die Vorlage von Multiamory (Link oben) anzusehen und in Kombination mit dem von mir daraus entwickelten Framework, Dein eigenes zu entwickeln.


Es gibt kein richtig und falsch.


Grundregeln für mehr Verständnis und Vertrauen in Beziehungen


Viele kennen es aus den Zwiegesprächen: Wenn eine Person spricht, dann hört die andere Person zu. Das verhindert, dass es zu einem "normalen" Gespräch - im negativen Fall zu einem Schlagabtausch - wird.


Ich empfinde es als sinnvoll, dass Verständnisfragen gestellt werden dürfen, damit etwaige Missverständnisse direkt ausgeräumt werden können.


Achtet trotzdem darauf, nicht ständig zu fragen, sondern als zuhörende Person mit einer offenen, liebevollen und mitfühlenden Haltung einfach da zu sein und sich so gut es geht zu entspannen.


Denn genau das schafft mehr Verständnis und Vertrauen in Beziehungen: Sich gehört und gesehen fühlen. Nicht, sich erklären zu müssen.


Das ist auch eine wunderbare Gelegenheit, sich selbst zu beobachten, was im eigenen System passiert, wenn die andere Person spricht.


  • Was löst das Gesagt in mir aus?

  • Zeigen sich reaktive Muster?

  • Bemerke ich innere Verteidigung oder Rückzug?

  • Kann ich mich konzentrieren auf die andere Person?

  • Was brauche ich, damit das möglich ist?

  • Und so weiter...


Mit ein bisschen Übung gelingt es, die Aufmerksamkeit sowohl bei der sprechenden Person zu parken, als auch die eigenen Reaktionen zu beobachten.


Das Sharedate: Ablauf & Themen


Zu Beginn / Das Setting


Setzt euch gemütlich hin. Entweder voreinander, es geht auch nebeneinander, liegend, sodass beide nach oben schauen, mit den Rücken aneinander gelehnt oder oder oder. Findet eure Position und probiert euch aus.


Es ist schön, mit ein wenig Stille zu beginnen. Dafür reichen 3 Minuten erfahrungsgemäss aus, um aus dem Alltag in einen bewussten, gemeinsamen Raum anzukommen. Ob dabei physischer Kontakt (z.B. eine Umarmung) gut tut, hängt von der Beziehung und der Situation ab.


Je nach Zeitrahmen, der zur Verfügung steht, werden die Themen (Vorschläge findest Du unten) gewählt, die am Wichtigsten für beide sind.


Auch wird zu Beginn gemeinsam vereinbart, ob eine Uhr gestellt wird (z.B. 5' pro Person pro Thema) oder es vollkommen frei ist und die Personen sprechen können, bis sie fertig ist.


Aus der Erfahrung zeigt sich, dass Gespräche ohne Timer den Vorteil haben, dass oft nach dem ersten Schwall an Bewusstem, noch Raum für das aufgeht, was neu uns damit besonders spannend ist.


Solltet ihr also die Zeit haben, dann empfehle ich euch von Herzen, keinen Timer zu setzen und zu sehen, was sich alles zeigt.


Der Ablauf


Die Reihenfolge wird auch gemeinsam vereinbart.


In meinen Sharedates hat sich etabliert, dass Person A beginnt, dann die Person B mit dem gleichen Thema fortsetzt, dann das nächste Thema wählt und direkt weiter teilt.


  • Person A wählt und spricht über Thema 1

  • Person B spricht über Thema 1, wählt und spricht über Thema 2

  • Person A spricht über Thema 2, wählt und spricht über Thema 3

  • usw.


Doch auch hier gilt: Es gibt keine festen Regeln - es ist EUER Sharedate. Wenn sich etwas anderes stimmiger anfühlt, dann macht es so.


Mögliche Themenblöcke


  • Eigenes Wohlbefinden (abgesehen vom WIR)

  • Soziales Netzwerk / andere Beziehungen (eventuell ENM)

  • Intimität / Sexualität

  • Die gemeinsame Beziehung aka das WIR

  • Arbeit, Projekte und Finanzen individuell

  • Arbeit, Projekte und Finanzen gemeinsam

  • Gesundheit

  • Reisen und Abwesenheiten

  • Diverses und Sonstiges, was es noch zu sagen gibt.

  • ...


Je nach Beziehung sind verschiedene Themen sinnvoll und es müssen auch nicht alle vorkommen. Wählt die Wichtigsten für euch aus - auch in Anbetracht eurer verfügbaren Zeit.


Wenn ein Haushalt gemeinsam geteilt wird, dann ist das ein geschützter Raum, sich darüber auszutauschen, wie es einem ehrlich damit geht.


Es geht (ebenso wie bei anderen gemeinsamen Projekten und Themen) mehr um die eigene Erfahrung darin, als um konkrete Pläne. Dafür gibt es Plandates.


Was ich sehr wichtig finde, ist, dass nicht jedes Thema die gemeinsame Beziehung in den Fokus setzt.


Ja, es geht auch um das WIR. Doch darf nicht vergessen werden, dass da zwei ICHs - zwei Individuen - Teile dieser Beziehung sind. Dieses Verständnis kann durch Sharedates gestärkt werden. Es fördert Autonomie UND Verbundenheit.


Beziehungsgespräche neu lernen


Anfangs war es auch bei mir so, dass ich ganz schön aufgeregt war. Dass sich Nervosität vor den ersten Gesprächen zeigte, denn auch bei mir war der Glaube fest verankert, dass Beziehungsgespräche unangenehm sind.


Dass es zu Missverständnissen und Streit kommen kann.


Vor allem aber auch, weil ich nie voll das Vertrauen gelernt hatte, dass ich mich einfach ganz ehrlich und vollkommen frei ausdrücken darf, ohne etwas zu beschönigen, ohne die andere Person schützen zu müssen oder es ihr "einfacher" zu machen.

Die Sharedates sind nicht nur ein Raum, in dem sich die Beziehungspersonen einander offenbaren können. Spannend wird es genau dann, wenn ich mich selbst Sachen sagen höre, die ich vorher noch gar nicht wusste.


Ich teile mich also nicht nur der anderen Person mit, sondern habe währenddessen die Möglichkeit, Neues über mich selbst herauszufinden.

Mich mir selbst zu offenbaren.


Ein Raum für "unangenehme" Themen


Wer auch eher der vermeidende Typ ist (so wie ich und wohl die meisten von uns), weiss, dass "unangenehme" Themen gerne auf später verschoben werden, um "den Frieden nicht zu stören".


Sharedates sind genau dazu da, einen Raum für dieses An- und Aussprechen zu bieten. Die Unsicherheit in der Frage: "Wann ist ein guter Zeitpunkt, das anzusprechen?" fällt durch sie weg.


Auch ist es manchmal ganz gut, ein wenig innere Klarheit zu finden, die eigenen Anteile darin zu erkennen und damit Anschuldigungen zu vermeiden, bevor sie in den gemeinsamen Raum gebracht werden.


Es kann sogar so weit kommen, dass das Miteinander so vertrauensvoll und einfach geworden ist, dass auch "unangenehme" Themen zwischen den Sharedates ganz natürlich Platz haben und geklärt werden können.


Das macht Sharedates keineswegs obsolet.


Sondern sie bleiben ein zauberhafter Raum für Austausch über sich selbst und wie schön die gemeinsame Beziehung ist.


Dran bleiben lohnt sich


Was Sharedates ausmacht, ist, dass sie ein bewusst gestalteter Raum für ehrlichen Austausch sind und regelmässig stattfinden.


1x im Monat ist sinnvoll, doch auch das hängt von der individuellen Beziehung ab. Am besten, macht ihr zu Beginn des Sharedates schon das nächste ab.


Dann habt ihr im Anschluss Zeit für Nähe - ohne das Organisatorische.


Geht geduldig mit euch um, wenn zu Beginn Nervosität da ist, Worte stocken oder Widerstände spürbar werden.


Es geht weder um Perfektion noch um Performance.

Sondern um Präsenz miteinander.


Wenn ihr euch regelmässig ehrlich austauscht, könnt ihr euch immer wieder überraschen lassen, wie viel echtes Verständnis und tiefe Vertrautheit zwischen euch möglich ist.


Sharedates sind ein absichts- und wirkungsvolles Geschenk an eure Beziehung und an euch selbst.


Von Herzen  

Anna Baubin Psychologische Beraterin für Beziehungen aller Art in Zürich


Praxis der inklusiven, systemischen Beziehungsberatung für Einzelpersonen und Paare*


Anna Baubin | Psychologische Beraterin in Zürich




*Paar, Substantiv, (n)- zwei durch eine (wie auch immer geartete) Beziehung miteinander verbundene Menschen.



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