Beziehungspflege leicht gemacht {Teil 2}: Qualitätszeit für mehr Leidenschaft in Beziehungen: Das PLAYdate
- vor 3 Tagen
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Wenn ich eines in der privaten und beruflichen Auseinandersetzung mit Beziehungen gelernt habe, dann, dass Beziehungen nicht einfach so "funktionieren".
Es ist wichtig, uns mit ihnen auseinanderzusetzen, sie bewusst zu pflegen und auch mal dort hinzusehen, wo es unangenehm ist. Denn genau dort liegt das grösste Potenzial für mehr Nähe, Freiheit und Zufriedenheit in unseren Beziehungen.
Verschiedene Bedürfnisse in Beziehungen erkennen
Solltest Du die Einleitung zu der Date-Reihe noch nicht kennen, dann findest Du sie hier. Sie gibt Dir einen Kontext dafür, worauf sie beruht.
Kurz zusammengefasst: Die Date-Reihe (Play-, Share- und Plandates) basiert auf den "3 Arten der Liebe" nach Michael Mary: Freund:innenschaft und Partner:innenschaft und Leidenschaft.

Wie immer ist das hier Geschriebene nur ein Vorschlag und es gibt wahrscheinlich 1000 Möglichkeiten, Playdates zu organisieren, und noch viel mehr Dinge, die es auch noch darüber zu sagen gäbe.
Mit diesem Text möchte ich schlicht das teilen, was für mich funktioniert. Immer in der Hoffnung, dass es auch andere Beziehungen bereichert und entspannt.
"Leidenschaft" definiert
Playdates haben die Absicht, die leidenschaftliche Komponente in Beziehungen aufzugreifen und die entsprechenden Bedürfnisse dahinter zu erfüllen.
Leidenschaft bedeutet für mich in diesem Kontext:
Leidenschaft ist ein starker Gemütszustand, der nicht durch den reinen Willen hervorrufbar ist. Aus ihm heraus widmen sich Menschen mit grosser Begeisterung und Hingabe einer bestimmten Tätigkeit, die ihnen Genuss und Lust bereitet.
Von "Besitzverlangen" und "schwer steuerbarem Verhalten", die zudem in der Definition im Duden stehen, nehme ich an dieser Stelle dezidiert Abstand.
Denn das hat nichts mit Leidenschaft zu tun, sondern mit patriarchalen Vorstellungen von romantischen Beziehungen und der fehlenden Eigenverantwortung von Menschen, die ihr Verhalten auf irgendwelche "Triebe" schieben.
Es geht hier nicht um Besitz und um Exklusivität. Sondern darum, gemeinsam einen absichtsvollen Raum zu gestalten, in dem sich alle Beteiligten möglichst sicher fühlen, ihre spielerische Seite entdecken, erforschen und gemeinsam ausleben können.
Wenn wir uns in einem wohlwollenden Raum aus unseren Komfortzonen wagen, ehrlich und mutig über unsere Fantasien und Wünsche sprechen und in der damit verbundenen Verletzlichkeit gesehen und angenommen werden, dann entstehen neben physischer Intimität auch mehr Sicherheit, Vertrauen und eine tiefere Verbindung.
Mehr Leidenschaft in Beziehungen
Wie schaffen wir es also, mehr Leidenschaft in unsere Beziehungen und damit in unser Leben zu bringen?
Sexualität ist der Spielplatz von Erwachsenen
Ich liebe diese Sichtweise und bedanke mich an dieser Stelle bei Sidonia, von der ich das vor mittlerweile 10 Jahren das erste Mal so gehört habe.
Es geht um ein gemeinsames Spielen.
Darum, zusammen leidenschaftliche Räume zu gestalten, sie zu betreten und zu erforschen.
Egal, wie diese aussehen mögen.
Viele verstehen unter dem Wort Beziehung nur romantische Liebesbeziehungen.
Und dahingehend unter dem leidenschaftlichen Aspekt einzig und allein Sex.
Und der ist bei vielen dazu auch noch eher ein Standardprogramm, als ein gemeinsam absichtsvoll gestalteter Raum.
Dass dann viele irgendwann damit aufhören, das immer Gleiche immer wieder zu machen, weil sie darin nicht mehr die Erfüllung finden, wundert mich nicht.
Die Erweiterung der Leidenschaft
Bei den einen ist es Sex.
Bei den anderen ein erotisches Rollenspiel.
Ein Slow-Dance. Eine Massage. Ein Kink.
Bei anderen wiederum ist das ein Hobby, das sie leidenschaftlich gemeinsam ausüben.
Bergsteigen, Raven, Velofahren, Musik machen...
Die Möglichkeiten sind endlos.
"Playdate" ist übrigens nur ein Name.
Wenn Du einen Widerstand gegen das Wort "Date" hast, dann nenne es anders.
Dies ist nichts als eine Einladung, Deine Bedürfnisse rund um das Thema Leidenschaft zu erforschen.
Im besten Falle bekommst Du Lust darauf, Deine Beziehung(en) diesbezüglich aktiv und bewusst zu gestalten.
Ich lade uns ein, die Gedanken schweifen zu lassen und über unseren romantischen Tellerrand zu schauen, wo die Bedürfnisse nach mehr Leidenschaft auch ausserhalb unserer romantischen Liebesbeziehung Erfüllung erfahren können.
Doch da das Thema Leidenschaft vor allem in romantischen Liebesbeziehungen zu Spannungen führen kann, wollen wir uns im Weiteren darauf fokussieren.
Also lasst uns nun den abstrakten Wunsch nach mehr Leidenschaft in einen handhabbaren Prozess umwandeln.
Und wenn ihr merkt, dass in eurer Beziehung bereits einige Dynamiken im Weg herumstehen, dann meldet euch bei mir und wir schauen sie im Beratungsprozess gemeinsam an.
Das Playdate: Die einzelnen Phasen
Termin im Kalender eintragen
Bei vielen kommt hier schon der erste Widerstand: Die Frage nach der fehlenden Spontanität.
Dieses Argument höre ich echt oft.
Das war auch das Totschlagargument einer ehemaligen romantischen Beziehungsperson von mir.
Gerne erinnere ich daran, dass auch zu Beginn einer Beziehung Sexualität nicht spontan stattfindet, sondern immer schon Treffen vereinbart wurden. Wann ist das im Laufe der Beziehung zum Hindernis geworden?
Also, Widerstand beiseite und gemeinsam den Kalender zücken.
Beziehungspflege heisst nämlich, sich Zeit zu nehmen und Prioritäten zu setzen.
Zeit ist eine endliche Ressource, daran können wir nicht rütteln. Doch es bedarf ein gemeinsamen Commitment, sich diese Zeit zum Wohle der Beziehung zu nehmen.
Also: Wann habt ihr Zeit für euer nächstes Playdate?
Ohne Kinder, ohne Termine, ohne Pikett-Dienst etc. pp.
Ob das nun 1 Stunde ist, ein ganzer Nachmittag oder ein ganzes Wochenende - das ist ganz und gar individuell gemeinsam verhandelbar und kommt stark darauf an, wie voll die Leben und Kalender schon sind, wie sich eure Beziehung gestaltet, was eure Bedürfnisse sind und so weiter.
Je nachdem, welcher gemeinsamen Leidenschaft ihr frönen wollt, ist natürlich auch wichtig, dass ihr einen Ort habt, in dem das möglich ist.
In Vorfreude schwelgen
Lass Deiner Fantasie freien Lauf.
Erst einmal für Dich und in Dir.
Erforsche, worauf Du Lust hast.
Setz Dich mit Deinen Bedürfnissen und Wünschen auseinander und erkenne, welche gerade vordergründig sind.
Doch nicht nur Vorfreude kann hier geteilt und gemeinsame Fantasien entwickelt werden, sondern hier zeigt sich auch, ob die Vorstellungen und Erwartungen an das Date unterschiedlich sind.
Vielleicht machst Du Dir auch Sorgen, hast Bedenken und andere limitierende Gefühle. Sei damit und tausch Dich darüber aus.
Sprecht über eure Gefühle - "positiver" und "negativer" Natur.
Das zu besprechen und den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, ist ein wichtiger Teil der Phase vor dem Playdate, da es mehr Klarheit und damit Sicherheit schafft.
Und ein sichererer Raum ist Grundvoraussetzung für ein lustvolles Spiel.
Ankommen und Einstimmen
Es gilt immer der Grundsatz:
Im Zweifel wird nicht gespielt!
Auch wenn im Vorfeld ein elaboriertes erotisches Spiel gemeinsam geplant wurde - wenn nicht alle Personen in dem Tag mit einem vollen Ja! dabei sind, dann wird umgeplant.
Tauscht euch zu Beginn eures Playdates aus, checkt gemeinsam ein und seid ehrlich, wie es euch im Moment geht. Emotional, energetisch und körperlich.
Gibt es auch klare Neins?
Vielleicht hat eine Person heute keine Lust auf wilden Sex.
Doch eine sinnliche Massage befriedigt auch das Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Intimität.
Seid ehrlich zueinander.
Traut euch, zu euch zu stehen.
Lasst euren Systemen Zeit, in diesem gemeinsamen Raum anzukommen, und schaut, was sich gerade jetzt richtig anfühlt.
In den spielerischen Raum eintauchen
Was auch immer ihr vorhabt: Lasst die Spiele beginnen.
Gebt euch hin.
Taucht ein.
Lasst los.
Seid jedoch auch hier achtsam.
Checkt immer wieder miteinander ein.
Pläne können sich jederzeit ändern.
Denn hier ist ganz viel Raum für Spontanität.
Mit gemeinsamem Einverständnis, versteht sich.
Ausklingen und Reflektieren
Gestaltet das Ende eures Dates bewusst so, dass alle wieder im Hier und Jetzt ankommen können und ihr im besten Falle noch Zeit habt, gemeinsam das Erlebte zu besprechen.
"Als Du ... gemacht hast - das war toll!"
"Dieser Teil unseres Spiels hat in mir ... ausgelöst"
"Wie war ... für Dich?"
Wenn ihr Playdates das erste Mal ausprobiert, kann es sein, dass noch einige Widerstände im Raum sind. Bewusst oder unbewusst.
Sie können dazu führen, dass es nicht ganz so smooth läuft, wie es vielleicht erhofft war.
Und das ist Teil des Prozesses.
Neues fühlt sich erst einmal unbekannt an, bis es gewohnter und damit sicherer wird.
Also zückt eure Kalender und sucht gleich nach einem neuen Termin, an dem ihr euren spielerischen Raum erforschen könnt.
In Erinnerungen schwelgen
Eine tolle Eigenschaft an uns Menschen ist, dass es für unser System kaum einen Unterschied macht, ob wir uns etwas vorstellen oder es tatsächlich aktuell erleben.
Das Schwelgen in der Erinnerung nach einem gelungenen Playdate ist zauberhaft, weil das System sich wieder mit dem darin Erlebten verbinden kann und die entsprechenden Bedürfnisse weiter genährt werden können.
Schöne Erinnerungen sind auch ein wunderbarer Übergang zu neuen Fantasien für das nächste Date.
Den eigenen Weg finden
Playdates, und wie sie organisiert werden, sind von Beziehung zu Beziehung unterschiedlich und verändern sich im Laufe der Zeit.
In meiner Beziehung mit D zum Beispiel haben sich in unseren Playdates einige Dinge etabliert. Sie stimmen so für uns, was natürlich nicht heisst, dass es bei euch auch so ist.
Trotzdem möchte ich hier ein paar praktische Date-Lessons mit euch teilen. Immer in der Hoffnung, es möge euch inspirieren.
Gemeinsames Duschen ist ein wunderbares Ritual zur Einstimmung.
Anstatt die Frage zu stellen: "Was willst Du machen?", ist auch die Frage: "Wie willst Du Dich fühlen?" ein super Anhaltspunkt
Eine Mischung aus geplantem Spielen (z.B. Wheel of Consent, bewusstes Führen / Folgen / Geben / Nehmen) und freiem Spiel funktioniert wunderbar.
Wo wir anfangs noch schüchterner (= unsicherer) waren, über unsere Fantasien, Wünsche und Ideen zu sprechen, fällt uns das heute viel leichter (= vertrauter & sicherer) Dranbleiben lohnt sich!
Das gemeinsame Reflektieren im Anschluss ist fast genauso schön, wie das Spiel selbst.
Noch ein Zusatz: Für mich als Frau, die früher oft die Erfahrung gemacht hat, dass meine Grenzen überschritten wurden, und die systematisch gelernt hat, dass meine Sexualität etwas ist, was ich zu geben habe, ist ein bewusster Raum für Leidenschaft und Spiel unglaublich befreiend.
Denn wo ich es früher vermieden habe, A zu sagen, weil ich nicht wusste, ob ich auf B Lust habe und keine "falschen Erwartungen" schüren wollte, bin ich heute viel freier im Erforschen unterschiedlicher leidenschaftlicher Räume.
Ohne Angst vor Erwartungen.
Ohne Druck.
Ohne vorsichtiger Zurückhaltung.
Sondern mit Neugierde, Lust und Selbstbestimmung.
10/10 recommend.
Von Herzen

Praxis der inklusiven, systemischen Beziehungsberatung für Einzelpersonen und Paare*
Anna Baubin | Psychologische Beraterin in Zürich
*Paar, Substantiv, (n)- zwei durch eine (wie auch immer geartete) Beziehung miteinander verbundene Menschen.


