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Akzeptanz lernen – Die Praxis: Die Schritte zu nachhaltiger Akzeptanz {Teil 3 von 4}

  • 12. Juni
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Juni

Nun haben wir ja schon besprochen, was der Unterschied zwischen eingeredeter, fehlender und wirklich wirksamer Akzeptanz ist.


Nun will ich noch ein wenig tiefer tauchen und skizzieren, wie der Weg zu nachhaltig tief fundierter Akzeptanz gelingen könnte.


Willkommen zum Teil 3 von 4 der Serie "Die Kunst der Akzeptanz":



Dabei beschreibe ich meine persönlichen Überlegungen, Erfahrungen und Herangehensweisen. Das, was ich in der Auseinandersetzung mit dem Thema für mich herausgefunden habe.


Wie immer bedarf es Deiner ehrlichen Prüfung, mir Dir resoniert und was nicht.


In der Hoffnung, dass die ein oder andere hilfreiche Inspiration für Dich und Dein Leben dabei ist, wünsche ich Dir viel Spass beim Lesen.


Der Weg ist das Ziel


Akzeptanz ist ein Prozess, eine innere Haltung, ein Üben und immer wieder Ausloten, ein Erinnern und auch eine Entscheidung. 


Wenn wir sie als Ziel auf einen Sockel stellen, den wir erreichen müssen, dann verlieren wir uns unter Umständen in dem uns selbst auferlegten Druck, stecken den Kopf in den Sand oder strengen uns zu sehr an und verlieren wertvolle Energie.


Vielleicht - ganz vielleicht - wird Akzeptanz irgendwann zum Zustand.


Im Englischen heisst das wohl dann Contentment, im Deutschen Gleichmut, was eine (auf innerer Ausgeglichenheit beruhende) Gelassenheit beschreibt und (inneren) Frieden bringt.


Der Weg dorthin führt über die Auseinandersetzung mit der Akzeptanz per se. Und vor allem mit dem, was zwischen uns und ihr so im Wege herum steht. 


Gleich vorweg: Dieser Weg ist alles andere als linear.

So wie es kein innerer Prozess jemals ist. 


Das macht das alles so wunderbar lebendig.


Let's dance: Die Schritte der Akzeptanz.


Erst einmal zur Erinnerung, was ich mit nachhaltig wirkungsvoller Akzeptanz überhaupt meine:


Akzeptanz hat das Potenzial, wirklich fundiert und wirksam zu sein, wenn sie auf die jeweils ganz persönliche und situative Richtigkeit und Stimmigkeit geprüft ist.


Nicht eingeredet, nicht ablehnend, nicht aufgedrängt, nicht vermeidend, nicht erzwungen.


Sondern ruhig, klar und würdevoll.


So wie alles, was nur im Inneren zu finden ist, ist eben dieses ehrliche eigene Prüfen Grundvoraussetzung.


Ich schreib übrigens absichtlich nicht "zur" wirksamen Akzeptanz, denn wie schon vorher erwähnt: Hier ist nix linear.


Es ist wie ein Tanz.


Ein Tanz, in dem wir uns aufrichtig auf den Prozess einlassen und die Qualität des Akzeptierens mehr als Haltung, als als Endstation ansehen.


Und doch bauen die Schritte aufeinander auf:


  • Erstens: Was ist jetzt?

  • Zweitens: Was ist sonst noch?

  • Drittens: Wie ist es wirklich?

  • Viertens: Was kann ich tun?

  • Fünftens: Wo sind meine Grenzen?


Also los:

Vier.

Drei.

Zwei.


Erstens: Was ist JETZT?


Nicht vorher, nicht nachher, nicht irgendwann. Sondern jetzt.


Allen Personen, die bei dem Wort Achtsamkeitspraxis jetzt die Augen rollen, kann ich nur nahelegen, diesen automatischen Widerstand mal zu hinterfragen.


Denn ohne die Fähigkeit, sich für einen Moment aus dem Kopf, den Gedanken, Sorgen, Mustern, Vorstellungen, Glaubenssätzen, Konzepten, Ängsten, Wunschszenarien und ähnlichem zu befreien, wird das mit der nachhaltigen Akzeptanz nix.


Sorry.


Was Du jedoch bekommen könntest, wenn Du Dich einliessest, ist die Erkenntnis, dass das, was in unseren Köpfen wie der Mount Everest an menschlichen Sorgen wirken kann, im Hier und Jetzt oft gar keine so akute Gefahr birgt.


Diese Erkenntnis beruhigt unser Nervensystem und gibt uns überhaupt erst die Möglichkeit zu erforschen, was wirklich in uns los ist.


Exkurs: How To - In den Körper kommen

In den aktuellen Moment komme ich übrigens am einfachsten über die Atmung. Ich stelle mir vor, wie ich mit ihrer Hilfe vom Kopf in den Körper sinke, und bekomme dadurch Zugang zu meinen Körperempfindungen.


Immer begleitet von der Absicht, nicht alles automatisch zu bewerten, zu beschreiben oder zu kategorisieren.


Das ist ein stetiges Auf und Ab. Hin und Her.

Wieder und noch einmal erinnern.


Und es schliesst sich irgendwie der Kreis in der Erkenntnis, dass auch diese Praxis erst mit wiederholtem Üben, Scheitern, Üben, Scheitern und weiterem Üben einfacher wird.


Und uns nichts weiter bleibt, als es zu akzeptieren, wenn das (noch) nicht so funktioniert, wie wir das gerne hätten.


Zweitens: Was ist sonst noch?


Herausforderungen, Probleme, Krankheiten, Sorgen, etc. haben die Eigenschaft, überproportional viel Schmalz in unseren Gehirnwindungen zu verbrauchen.


Das ist evolutionsbedingt auch verständlich - was unsere Existenz bedroht, ist wichtiger, als das, was es nicht tut.


Unsere Wahrnehmung schränkt sich ein und im Fokus ist nur noch das, was wir ablehnen.


Darum ist die Frage so wichtig: Was ist sonst noch?


Sie funktioniert aus zwei Gründen:


1) Die Perspektive verändert sich.

Unsere Wahrnehmung zu erweitern, bringt uns immer neue Perspektiven und verhindert folgendes Phänomen, das Du vielleicht vom Velofahren kennst:


Wenn ein Hindernis vor uns auf der Strasse ist, dann können wir davon ausgehen, dass wir genau hinein fahren, wenn wir darauf schauen. Schauen wir jedoch am Problem vorbei, dann sinkt das Risiko eines Unfalls.


Also, schau bewusst weg vom Problem: Was läuft gerade trotzdem gut? Vielleicht braucht es ein wenig Zeit, doch ich bin mir ganz sicher, Du findest etwas.

Wenn nur noch jenes im Blickfeld ist, was nicht unseren Wünschen entspricht, dann haben wir auch keinen Zugang mehr zu all den Dingen, die trotzdem noch gut laufen.


Wo ist die Beziehung noch nährend?

Wo schöpfe ich Sicherheit und Verbundenheit?

Was habe ich mit der verlorenen Person alles Schönes erlebt?


Das Leben an und für sich ist auch in Zeiten von Krankheiten eine Ressource an sich, die oft aus dem Bewusstsein rutscht, uns jedoch Kraft und Hoffnung geben könnte.


Drittens: Wie ist es wirklich?


"Es" ist dabei die Situation selbst. Also die Beziehung, der Zustand, die Krankheit, der Verlust oder was auch immer da Deine Energie braucht, weil - warum auch immer - ein Spannungsfeld entstanden ist.


Gefangen in unserer Annahme, wie die Situation ist - getrübt von unseren Filtern, Vorstellungen, Emotionen und Gedanken darüber - verlieren wir Objektivität, soweit sie überhaupt möglich ist.


Was es braucht: Das Üben, die eigenen Reaktionen wahrzunehmen und zu lernen, Dinge unbeschönigt und unverteufelt zu betrachten.


So, wie sie eben sind.


Dieser Schritt ist immer wieder notwendig, um uns in unseren persönlichen Verstrickungen erst einmal wahrzunehmen und uns immer weiter von ihnen zu befreien.


Neue Aspekte können uns bewusst werden, die wir in der Situation vorher nicht sehen konnten.


Denn Klarheit kommt oft häppchenweise.

Und genau sie ist das Fundament neuer Handlungsoptionen.

Viertens: Kann ich was tun?


Am besten beginnen wir mit der Frage: Was kann ich GERADE JETZT machen, damit ich mich sicherer fühle?


Mein Tipp: Erst einmal die Grundschritte lernen.


Und, Obacht!


Wenn Du ein wenig so tickst, wie ich, dann achte darauf, wie viel Druck die ganzen "ich sollte" und "ich müsste" und "würd ich doch nur" bei Dir subtil machen.


Höchstwahrscheinlich sind diese Stimmen auch bei Dir zum Teil der Grund, weshalb es überhaupt so weit gekommen ist.


Meiner Erfahrung nach befeuert selbstauferlegter Druck eingeredete Akzeptanz massiv.


Zusammen sind sie dann Brennsprit für Ohnmacht.


Wichtig dabei: Welche Handlungsoptionen, die Dir in den Sinn kommen, fühlen sich weniger gefährlich an, als andere. Welche machen in Dir eher ein yey, als ein ney? Nicht im Kopf. Im Körper.


Geht nicht?

Weil das Gedankenkarussell mal wieder den Autopiloten übernommen hat?


Dann geh ein paar Schritte zurück.

Remember: It's a dance.


Fünftens: Wo sind meine Grenzen?


Die Grenzen der eigenen Energie, Ressourcen, Möglichkeiten und Fähigkeiten zu erkennen, ist zugegebener Massen ein Thema für sich.


Denn wieder pfuschen uns unsere Denkmuster, Glaubenssätze, Erwartungen und Überzeugungen hinein.


Doch mit Übung wird auch hier das Durcheinander zunehmend klarer.


Denn jedes Mal, wenn wir uns im Bewusstsein dieser Schritte einem Thema zuwenden, entsteht die Möglichkeit für neue Erkenntnisse, Perspektiven, Inspirationen und Ideen.


Keine Frage: Privilegien sind dazu da, sie bewusst zu nutzen.


Das heisst, wir erkennen sie an und anstatt uns persönlich zu bereichern, erkennen wir, wo sie uns für etwas Grösseres dienlich kein können.


Denn ausgebrannt, überfordert und ohnmächtig können wir uns für nichts nachhaltig einsetzen, auch wenn wir die Möglichkeit hätten, etwas zu verändern.


Jenseits unserer Grenzen ist das Land des Unveränderbaren.


Und ab da bleibt uns tatsächlich nichts weiter, als um tiefe Akzeptanz zu bitten.


Wen?

Uns selbst.


Denn von Aussen werden wir sie nicht bekommen.

Doch wir können sie im Inneren stärken und etablieren.


Verständnisvoll, erwartungslos, nachhaltig, wirkungsvoll.


Wie wir dahin kommen?


Darin geht es darum, welches Fundament wir brauchen, damit wir diesen Tanz langfristig durchhalten und unseren Beitrag für Frieden in uns, in unseren Beziehungen und in der Welt leisten.


Von Herzen  

Anna Baubin Psychologische Beraterin für Beziehungen aller Art in Zürich


Praxis der inklusiven, systemischen Beziehungsberatung für Einzelpersonen und Paare*


Anna Baubin | Psychologische Beraterin in Zürich




*Paar, Substantiv, (n)- zwei durch eine (wie auch immer geartete) Beziehung miteinander verbundene Menschen.


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