Akzeptanz lernen – Der erste Schritt: Das Paradoxon erkennen {Teil 1 von 4}
- 14. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Juni
Als ich mich entschied, bei einem vergangenen DEEP DIVE Ritual das Thema der Akzeptanz zu wählen, und begann, diesen Text zu schreiben, dachte ich noch nicht, dass dieses Thema so umfangreich werden würde.
Doch je mehr ich mich damit auseinandersetzte, desto länger wurde dieser Text. Also entschied ich mich dazu, ihn aufzuteilen.
Es wurde eine 4-teilige Reihe "Die Kunst der Akzeptanz":
Teil I: Der erste Schritt: Das Paradoxon verstehen
Teil II: Die grossen Fallen: Eingeredete und fehlende Akzeptanz
Teil III: In die Praxis: Die Theorie ins Leben bringen
Teil IV: Das Fundament: Womit alles beginnt.
Wie immer: Nimm meine Worte bitte nicht einfach so für bare Münze, sondern prüfe, was für Dich stimmt und was nicht.
In der Hoffnung, dass die eine oder andere hilfreiche Inspiration für Dich und Dein Leben dabei ist, wünsche ich Dir viel Spass beim Lesen.
Die Definition von Akzeptanz und ihr Widerspruch
Zusammenfassend lässt sich Akzeptanz definieren als "die Bereitschaft, Sachverhalte, Situationen, Personen etc. anzunehmen, statt gegen sie anzukämpfen".
Akzeptanz bedeutet also, mit dem, was JETZT GERADE ist, nicht im Widerstand zu sein.
Das klingt im ersten Moment schlüssig.
Vielleicht taucht in Dir aber auch direkt ein Widerstand auf, der absolut berechtigt ist, und Du stellst Dir Fragen wie:
- Sollen wir also nun so tun, als wären wir ok mit der Art und Weise, wie wir von dieser Beziehungsperson behandelt werden?
- Mit der systematischen Ungerechtigkeit im Kleinen und Grossen?
- Mit dem bewussten und unbewussten Machtmissbrauch der hierarchischen Strukturen, in denen wir leben?
- Mit der anhaltenden Gewalt in der Welt?
Das sind Fragen, die alle gleich beantwortet werden können.
Und zwar mit: Nope!
Wie soll das also funktionieren?
Wie sollen wir gleichzeitig nicht im Widerstand sein mit dem, was jetzt ist, UND unsere inneren Widerstände ernst nehmen, damit wir unser Leben in die Hand nehmen, und so selbstbestimmt und frei wie möglich leben können?
Indem wir das Paradoxon der Akzeptanz erkennen, dass nachhaltige Veränderung erst durch ehrliche Akzeptanz entstehen kann.
Und dafür müssen wir uns unsere verzerrten Vorstellungen von Akzeptanz anschauen.
Was Akzeptanz nicht ist.
Denn Akzeptanz ist kein Konzept, das darauf beruht, mit allem immer total einverstanden zu sein, alles zu akzeptieren, passiv und opportunistisch zu werden.
Auch geht es nicht darum, in allem nur das Positive zu sehen, oder um den angestrengten Versuch, aus Schicksalsschlägen zwanghaft Lernpotential heraus zu sezieren.
Auch heisst Akzeptanz nicht, die Augen zu verschliessen, Verantwortung von sich zu stossen und wegen der eigenen Gemütlichkeit nicht zu handeln, obwohl wir etwas tun könnten.
Wie wir nachher sehen werden, entstehen durch wirksame Akzeptanz genau gegenteilige Effekte - sie bringt uns Klarheit, Selbstwirksamkeit, Freiheit und Frieden.
Und davon können wir - mit Blick in die Welt, auf unsere Beziehungen und unsere inneren Spannungen - wohl alle zwischendrin ein oder zwei Extra-Portionen brauchen.
Doch bevor wir uns den Praxisschritten und dem Fundament von nachhaltig wirkungsvoller Akzeptanz zuwenden, tauchen wir erst einmal tiefer in die Fallen ein, die sich in der Auseinandersetzung mit Akzeptanz zeigen.
Im zweiten Teil liest Du über die beiden Arten von Akzeptanz, die zwar als solche beschrieben werden, jedoch nichts mit der Akzeptanz, auf die ich hier hinaus will, zu tun haben:
Die eingeredete Akzeptanz aka Kopf im Sand
Die fehlende Akzeptanz aka das Verlieren gegen Windmühlen
Ich wünsche Dir ganz viel Spass beim Forschen.
Von Herzen

Praxis der inklusiven, systemischen Beziehungsberatung für Einzelpersonen und Paare*
Anna Baubin | Psychologische Beraterin in Zürich
*Paar, Substantiv, (n)- zwei durch eine (wie auch immer geartete) Beziehung miteinander verbundene Menschen.



